Chronologie

 1894  In Freistadt wurde im Jahr 1894 die „Ferialverbindung deutscher Hochschüler Ostara“ von dem am Gymnasium wirkenden Deutschprofessor Dr. Grosch sowie den zwei weiteren Gründungsburschen Preitschopf und Bodingbauer gestiftet.

Als Farben wählte man grün-rot-gold, die der Kappe wurde grün.

 1896  Im Jahre 1896 entstanden in Freistadt zwei Mittelschulverbindungen, welche jedoch als Penalien bis 1918 streng verboten waren und nur im Untergrund wirken konnten. Eine ganz andere Rolle spielte die Ostara: Als akademische Korporation konnte sie offen auftreten. Sie war gesellschaftlicher Mittelpunkt im national-liberalen Lager und weit darüber hinaus. Das alljährliche Stiftungsfest war ein Ereignis, an dem die ganze Stadt Anteil nahm. Der Exbummel hatte mit Fassanschlagen und Tanz fast volksfestähnlichen Charakter. Der Aktivenbetrieb bestand neben der Pflege des Volkstums, des Studententums, der politischen Arbeit und der Geselligkeit auch aus einem Paukbetrieb mit Säbelfechten.

 1897  Ostara erfreute sich bald großer Beliebtheit unter den Studenten, sodass im Jahre 1897 bereits ein großes Stiftungsfest mit vielen Mitgliedern gefeiert werden konnte. Auch ein Dachverband wurde gegründet. Er umfaßte viele Ferialverbindungen der Donaumonarchie und hatte seinen Sitz in Freistadt. Es war dies der „Delegiertenconvent akademisch deutscher Ferialverbindungen“.

 1914–1918  Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der Aktivbetrieb eingestellt. War der Zustrom in den Vorkriegsjahren auch groß, so lichteten sich die Reihen im Laufe der Kriegsjahre empfindlich. Die Verbundenheit fernab an der Front zeigte sich jedoch deutlich am regen Briefverkehr, den die Ostaren untereinander pflegten.

Feldpost vom Studenten Josef Klement an Front-Leutnant Theodor Scharizer
Für das Vaterland fielen: 
Josef Klement
Kurt Köhler
Emanuel Rankl
Heinrich Rankl
Rudolf Vizenetz
Fritz Vogel

 1919  Ostara anlässlich des 25. Stiftungsfestes

 1920  Im Jahr 1920 fand sich sofort eine Anzahl junger Studenten, die bereit waren Ostara im alten Sinn weiterzuführen. Die Verbindung konnte in Folge ihren größten Mitgliederstand seit ihrem Bestehen verzeichnen.
Der „Freistädter Delegierten-Convent“ war allerdings mit der Donaumonarchie zerfallen und es war nicht mehr möglich, in wieder ins Leben zu rufen.
Man suchte nach neuen Kontakten zu Ferialverbindungen. Es wurde das „Waidhofener Kartell“ unter Führung der F! Ostgau in Waidhofen an der Ybbs / NÖ gegründet.
Zu diesem Kartell gehörten neben Ostara noch die Verbindungen „Waldmark“, „Pollheim“ und „Hochwald“.
Auf Mittelschulebene wurden zwei Pennalien errichtet die jetzt auch offiziell zugelassen waren.

 1932  Die Ostaren geleiten ihren Bundesbruder Willi Schneider, der als Student im 24. Lebensjahr verstarb.

Der Trauerzug auf Höhe des Gymnasiums in der heutigen Zemannstraße

„Fiducit“ hieß: Eine offizielle Farbentrauer wurde verkündet und das Stiftungsfest verschoben. Der Trauerzug bewegte sich vorbei am Gymnasium Freistadt. Zu sehen sind neben den farbentragenden Ostaren Mitglieder der Heimwehr im Vordergrund des Bildes.

 1934  Das Hoch nach 1920 im studentischen Leben Freistadts dauerte bis 1934. Der Betrieb der nationalen und liberalen Korporationen wurde dann jedoch stark behindert. Die Mitglieder verfolgt und benachteiligt. Regimetreue Korporationen entstanden, wurden gefördert und unterstützt.

 1938  Nach den Repressalien des Ständestaates wäre eine verhärtete „Schaden“-Freude über den Anschluß an das Deutsche Reich durchaus verständlich. Ostara profilierte sich jedoch nicht in der politisch-militanten Art vieler anderer Vereine „pro Anschluß“.
Für den ewigen Freundschaftsbund, dem sich die Ostaren verschrieben hatten, hieß der Anschluß nämlich gleichzeitig Auflösung und Verbot.
Alle farbentragenden Verbindungen wurden in der nationalsozialistischen Studentenbewegung gleichgeschaltet. Die Auflösung mußte vom Obmann, in unserem Falle Dr. Sepp Raffaseder, selbst durchgeführt werden.
Das damalige Kneipbuch endet mit der Bemerkung: „Österreich ist Teil des deutschen Reichs“ (13.März 1938).

Dr. Bert Ziegler sendet 1955 diese Fotografie an Dr. Sepp Raffaseder: Die letzte Ruhestätte des Bundesbruders Dr. Karl Pointecker in Russland. Nahtlos wird das Bild ins Kneipbuch eingefügt. Auf der Seite davor: Der Generalconvent zur Auflösung der Ostara 1938.

 1945 

Für das Vaterland fielen
Dr. Wilfried Mayer
Dr. Reinhold Melzer (gef. 1943)
Dr. Fredl Jungwirth (gef. 1942)
cand. Willi Jungwirth (gef. 1943)
cand. Hubert Pilgersdorfer (gef. 1941)
Dr. Karl Pointecker (gef. 1941)
Kurt Pointecker
Heinz Schacherl
Wilhelm Schneider

 1953  Im Gegenzug zum Ersten Weltkrieg wurde „nicht einmal mehr daran gedacht“, die Ostara wiederzuerrichten. Sei es die straffe Haltung der stalinistischen Sieger, oder einfach nur die Ermattung nach diesem totalen Krieg – hier, wie im ganzen ehemaligen „Dritten Reich“ war man am Boden und hatte existentielle Sorgen.
Das hieß für viele Ostaren langjähriges Berufsverbot. Freistadt als Sitz der Kommandantur der russischen Besatzungszone war daher sinnigerweise nicht der Ort der Aufnahme des Alt-Herren-Betriebes.
Linz – im amerikanischen Sektor – ließ es aber zu, dass es Dr. Sepp Raffaseder wagte, fast „konspirativ“ Kontakte zu anderen Bundesbrüdern zu knüpfen. Die Formulierungen der ersten Treffen (im Hinterzimmer des Hotel Wolfinger) war so gewählt, um jeden Verdacht einer politischen Wiederbetätigung zu vermeiden – und so die Freundesverbindung zu retten.
Einer der ersten, der zu diesem geheimnisvollen „Sprechabend“ sein Kommen ankündigte, war der allerseits geschätzte AH Dr. Reiter.

 1954  Am 20. November 1954 wurde der AH-Verband in Linz offiziell wiedergegründet. Eine Wiederaufnahme des Aktivenbetriebes erschien jedoch allen – nach einer mehr als 15-jährigen Lücke – geradezu utopisch.

 1964  Gegen jeden Begriff eines heute so oft zitierten Generationenkonflikts war es ein mehr als 60-jähriger, der den persönlichen Kontakt zu jungen Leuten suchte: AH Dipl.-Ing. Anton Mayr.

AH Anton Mayr

Bundesbruder AH Franz Dichtl, der Anton Mayr sehr nahe stand, beschreibt in einem Gedicht den großartigen Charakter seines Freundes so:

Die jungen Kehlen wurden alt,
und müd‘ die alten Knochen,
doch Herz und Sinn,
die blieben jung,
der Wille ungebrochen.

AH Franz Dichtl, 1964

AH Mayr hatte also den festen Willen, daß Ostara nicht aussterben sollte. Beim Convent am 6. Jänner 1964 wurde beschlossen, die Aktivitas der Ostara neu zu gründen und als Verein anzumelden. An diesem Convent nahmen bereits einige interessierte Studenten teil. Bald hatte man wieder eine stattliche Anzahl an Studenten beisammen, sodaß anläßlich der Osterkneipe ’64 AH Mayr aus Freude und Rührung sagte, er könne nun ruhig sterben, da er die Ostara gerettet wisse.
Unsere erste Bude war ein adaptierter Wohnraum im ersten Stock des Gasthauses Weiermann in der Schmiedgasse.

 1966  Von 1966 bis 1980 befand sich die Ostaren-Bude im Haus Salzgasse 13, einst das „Gasthaus zum schwarzen Rössl“. Das Gewölbe mit Gurtbögen aus dem frühen 19. Jahrhundert besaß nur ein Fenster unmittelbar an der Stadtmauer. Obwohl feucht, im Winter kaum warm zu bekommen und mit sanitären Anlagen nur mangelhaft ausgestattet, verströmte diese Bude besondere Atmosphäre und war vielfach Schauplatz unvergesslicher Kneipen.

 1970  Das Schicksal jedes Bundes ist es, Höhen und Tiefen zu erleben. So litt nach der Hochblüte der 60er Jahre die Ostara in den 70er Jahren kurzfristig unter Nachwuchsproblemen. Nach einigen Enttäuschungen mit jungen Leuten, die man nicht für die Ideen, die man verfolgte, begeistern konnte, erlebte die Ostara 1977 erneut einen Aufschwung ihrer Lebensgemeinschaft.
Ähnlich wie im Jahre 1962 brachte auch diese Gruppe junger Studenten jene Begeisterung und den Schwung mit, der die Ostara jung wie in alten Zeiten machte.
Neben den traditionellen Veranstaltungen wie Jul- und Stephanikneipe, dem Stiftungsfest, zahlreichen Liederkneipen, Farbenbummel durch die Stadt und Exbummel aufs Land zu Gröstlinger, nach Schlag, St. Peter oder anderen beliebter Ausflugsziele der Freistädter, bereicherten zahlreiche neue Programmpunkte das gesellschaftliche Leben des Bundes.
Aber auch die Inhalte und Werte, die Ostara verfolgte, wurden und werden mit neuen Standpunkten kritisch hinterfragt und diskutiert.

 1994  Von 16. – 18. September feierten wir in großem Stile unser 100.Stiftungsfest. Wir feierten dieses Ereignis mit einem Fackelzug vom Schloßhof zur Brauerei, einem großen Festkommers und einem Frühschoppen am Hauptplatz mit musikalischer Untermalung der Bürgerkorpskapelle.

Stiftungsfestfoto im Hof des Neuen Schlosses

Nachdem die Räumlichkeiten, die uns zur Zeit als Bude dienten, von AH Scharizer Rudolf zu einer Tierarztpraxis ausgebaut wurden, stellte er uns einen großen Kellerraum mit beeindruckendem Gewölbe, ebenfalls in seinem Haus, zur Verfügung. Leider sahen wir uns aufgrund massiver Probleme mit Feuchtigkeit gezwungen, diese Heimstätte 1999 zu räumen.

 2000  Im Februar adaptierten wir Räumlichkeiten im Haus Böhmergasse 4, die seitdem unser neues Vereinslokal darstellen. Mit der nötigen Infrastruktur ausgestattet, bietet es optimale Voraussetzungen für gesellige Kneipen und Feste.

 2004  Von 17. – 19. September feierten wir unser 110. Stiftungsfest. Wir begingen dieses Ereignis, wie schon 1994, mit einem Fackelzug vom Schloßhof zur Brauerei, einem großen Festkommers und einem Frühschoppen am Hauptplatz mit musikalischer Untermalung der Bürgerkorpskapelle.
Mit zahlreichen Freunden der Ostara können wir auf ein gelungenes Fest zurückblicken. Ungefähr 80 Personen füllten das Juche der Brauerei und wir konnten einen würdigen Festkommers schlagen. Auch der Frühschoppen erfreute nicht nur Bundesbrüder, denn die dargebotenen Musikstücke der Bürgerkorpskapelle Freistadt und der sonnige Herbsttag lockten zahlreiche Gäste an.
Der Bummel zum Gasthaus „Neumühle“ durch das Thurytal führte uns auch bei der renovierten „Hammerschmiede“ vorbei, wo einige einen kurzen Zwischenstopp beim dortigen „Tag der offenen Tür“ einlegten, den Hammer in Aktion bewundern konnten und sich mit einem Bier stärkten, bevor es weiterging.
Der Exteil verlief in geselliger Runde, und alle erfreuten sich an dem milden Herbstnachmittag. Wehmütig beendeten wir das gelungene Fest am späten Nachmittag, da am nächsten Tag jeder wieder seiner alltäglichen Beschäftigung nachgehen musste…

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